Reparatur defekter Holzbauteile am Fachwerkhaus
Fachwerkhäuser sind von ihrer Konstruktion her reparaturfreundlich. Das Tragwerk besteht aus separaten Holzteilen, die durch Zapfenverbindungen, Überblattungen, Verkämmungen etc. zusammengefügt sind.

Diese Verbindungen sind lösbar, sodaß (zumindest theoretisch) einzelne defekte Bauteile ausgebaut und durch ein nachgefertigtens, identisches Neuteil ersetzt werden können, ohne die Gesamtkonstruktion zu zerstören.

In der Praxis ist das allerdings komplizierter, denn schon ein an beiden Enden eingezapfter Riegel  beispielsweise kann in komplettem Zustand aus Platzgründen weder aus- noch eingebaut werden. Oft sind deshalb zusätzliche Teilungen oder besondere "Reparaturverbindungen" erforderlich, wenn man nicht das komplette Haus demontieren will.

 

 

Literaturempfehlungen:

"Schäden an Holzkonstruktionen" von Willi Mönck 1999(ISBN 3-345-00668-5)

"Anschuhen, Verstärken und Auswechseln" von Manfred Gerner 1998(ISBN 3-931991-19-9)

Beispiele aus meinem Haus Rheinstraße 78

Für alle nachgefertigten Teile  habe ich gebrauchtes, trocken gelagertes Eichenholz aus einem Abbruchhaus verwendet.

 

 

Komplettrestaurierung von Schwelle und Ständer auf der Straßenseite (Südost) 

Alle Ständer und Streben der Straßenfront waren unten weggefault und in früheren Zeiten zunächst mit einer höher liegenden Ersatzschwelle und Ziegelsteinen, später z. T. mit Beton unterfüttert worden. 

Ich habe die Ständer bis in den gesunden Bereich gekürzt, durch ein angeblattetes Reparaturstück (Überblattung 20-25 cm) auf das ursprüngliche Originalmaß verlängert und durch Zapfen mit der neuen Schwelle verbunden. Eine fehlende Strebe wurde komplett ersetzt.
Bei kleinen Schäden habe ich lediglich den zerstörten Bereich entfernt und ein Reparaturstück eingesetzt.

 

 

 

Beispiel: Obergeschoß-Schwelle Südwestgiebel

 

 

 

 

 

 

 

Fixierung mit schräg eingeschlagenen 20mm Eichendübeln. Der neue Strebenfuß ist wieder in die Schwelle eingezapft.

 

Zapfenlöcher sind häufig durchgefault, da von oben Wasser eindringt, aber nicht wieder ablaufen kann.
 

 

Beispiel: Giebelbalken Nordwestgiebel

 

 

 

 

 

 

keilförmiges Reparaturstück, fixiert mit 20mm Dübeln

Das abgefaulte äußerste Ende eines Ständers kann durch ein kurzes Reparaturstück mit knapper Überblattung ersetzt werden. 

 

 

Beispiel: Nordwestgiebelwand OG

 

 

Die Verbindung Obergeschoßschwelle/Eckständer (Südwestgiebel) war durch Fäulnis zerstört. 

1. Schritt:  Zurückschnitt in gesunden Bereich. Ein Teil des Ständerzapfens ist noch gut erhalten.

2. Schritt: Herstellung von Ersatzteilen

3. Schritt:  Zusammenbau

Der Giebelbalken  vom Südwestgiebel war im mittleren Bereich fast völlig zerstört, die Anbindung seitlich an die Traufwände jedoch noch intakt. Ich habe das mittlere Drittel herausgeschnitten und durch ein angeblattetes Reparaturstück ertsetzt.

Originalzustand

Die Blattverbindungen wurden mit  je zwei  Stahlbolzen (16mm) fixiert. Alle Ständer wieder mit Zapfenverbindung angeschlossen.

Oberhalb des Giebelbalkens wurden der mittlere Ständer und ein Riegel ersetzt, in der OG Wand sind 2 Ständer neu, ein weiterer sowie die linke Strebe wurden repariert. Es fehlen noch einige Holznägel.

© by schrat-online